„Die Zukunft ist eine lebendige, wilde Ordnung“ – Lale Rohrbeck (2041)

Lale Rohrbeck (2041)
Lale ist seit 2015 Mitinitiatorin von Wir bauen Zukunft. Seitdem begleitet sie das Projekt gestaltend und immer wieder in Rückverbindung zu der Vision und Quelle der ersten Stunde des Projektes am Küchentisch mit ihrer Mutter. Sie lebt mit ihrer Familie im 25km entfernten Rögnitz in einem Mehr-Generationen-Haus. Vertrauen, Ruhe und Präsenz sind für sie die wichtigsten Begleiter ihres Handelns

Als Lale absteigt, streicht sie ihrem Pferd über den Hals. Der Atem des Tieres geht langsam, tief. Lale wirkt kraftvoll, ruhig und entspannt. Sie strahlt eine innere Gelassenheit und tiefe Zufriedenheit aus, die ansteckend wirkt. Sie bringt das Pferd zu einer kleinen, provisorisch abgesteckten Koppel.

Wir queren einen kleinen Bachlauf und betreten das Gelände von Wir Bauen Zukunft. WBZ ist heute ein selbstverständlicher Teil der Region geworden. Kein isoliertes Projekt mehr, sondern ein fester Ortsteil.

„Hier beginnt der Wohnbereich, das Earthship Village“, sagt sie und deutet auf eine bunte und vielfältige Ansammlung von Gebäuden. Ich erblicke Tinyhäuser, Jurten, Erdhügel mit Fenstern, experimentelle Gebäude im Hundertwasser-Stil, moderne Lehm- und Holzgebäude – als hätte jemand die Frage „Wie könnten wir eigentlich wohnen?“ mit einer Ausstellung zum Durchleben beantwortet. Die Gebäude strahlen Individualität und Schönheit aus, mit begrünten Wänden und Dächern, die sich in die umgebende Natur einfügen. Die Gebäude sind eingebettet in einen üppigen Waldgarten, der sowohl Nahrung als auch Lebensraum für zahlreiche Arten bietet.

Lale beschreibt es als eine „lebendige, wilde Ordnung“ – nicht chaotisch, nicht steril, sondern eine Struktur und Ästhetik die jenseits des mental Greifbaren liegt und organisch gewachsen ist.

Lale geht ein wenig langsamer. „Das hier ist privat“, sagt sie. „Ein echtes Zuhause für die Menschen, die hier leben.“

Im Earthship Village wohnen ungefähr zwanzig Menschen, verschiedene Generationen, unterschiedliche Lebenssituationen. Es gibt kleinere Studios, größere Gemeinschaftsbereiche, Rückzugsorte, geteilte Flächen drinnen und draußen. Eine Außenküche, eine Feuerstelle, ein paar Spielbereiche, viel Garten.

„Ich bin immer noch stolz, wenn ich das sehe“, sagt Lale. „Wie sich das alles entwickelt hat.“

Neben einer Jurte winkt uns Johannes Milke heran. Er hat die Entwicklung von WBZ viele Jahre maßgeblich mitgestaltet. „Ich zeig euch was“, sagt er mit einem Strahlen über beide Ohren und deutet auf einen kleinen Hügel. „Mein neuer Bioreaktor.“

Er erklärt, dass dort organische Reststoffe aus dem Alltag zusammenlaufen – vor allem Pflanzenreste und Küchenabfälle. Im Inneren arbeiten Mikroorganismen, es entsteht Wärme die zum Heizen genutzt wird und die entstehende Erde wird im Waldgarten als wertvoller Dünger genutzt. „Es ist wie ein lebender Bauch“, sagt er. „Der verdaut, was wir nicht mehr brauchen.“Form1

Am Earthship – regenerative Baukultur

Wir laufen weiter, bis vor uns ein Gebäude auftaucht, das mit seiner geschwungenen Form wirkt, als wäre es aus dem Gelände herausgewachsen: Das Earthship

Vor der langen Glasfassade steht eine kleine Gruppe vor Ralf Müller, der mit seinem Institut für regenerative Baukultur den Ort stark geprägt hat. Er zeigt auf die Wand, dann auf den Boden, dann auf die Glasfront. „…entscheidend ist immer, was genau hier vor Ort Sinn macht“, hören wir ihn sagen. „Materialien, Klima, Nutzung, die Menschen, die damit leben. Wir arbeiten nicht mit Standardlösungen, sondern mit dem, was am jeweiligen Ort wirklich passt.“

Wir hören eine Weile zu und als die Gruppe sich langsam auflöst, winkt er uns heran. „Kommt kurz mit rein“, sagt er. „Ich will euch noch was zeigen – wir haben gerade den neuen Lernraum für Materialpraxis fertig und der Wasserkreislauf läuft jetzt endlich so, wie wir ihn wollten.“

Drinnen schlägt uns warme, feuchte Luft entgegen. Hinter der Glasfassade öffnet sich ein botanischer Garten: Zitronenbäume, Rankpflanzen, Wasserläufe im Kreislauf. In den Wänden leuchten bunte Glasflaschen wie eingelassene Sterne. Ralf legt kurz die Hand auf eine Lehmwand.

„Die arbeitet mit“, sagt er. „Wärme speichern, Feuchtigkeit ausgleichen – das Haus lebt.“

Wir gehen weiter. Auf Tischen liegen Modelle, Materialproben und Zeichnungen, aus einem Nebenraum kommen Stimmen. Eine Person läuft mit lehmverschmierten Händen vorbei, nickt uns kurz zu. Ralf zeigt auf einen offenen Arbeitsbereich. „Das hier ist das Herz eines europäischen Forschungsprojekts. Forschung, Handwerk und Ausbildung laufen hier an einem Ort zusammen. Werkbank und Planung sind integriert gedacht.“

Er erzählt von Architekt:innen, Städtebauer:innen und Ingenieur:innen, die handwerkliche Techniken lernen, von Doktorandinnen und Erasmus-Studierenden, die hier arbeiten und wohnen. Während er spricht, sieht man genau das schon im Raum: Skizzen, Werkzeuge, Gespräche, Material in Bearbeitung.

Als wir wieder hinausgehen, bleibe ich noch einmal kurz stehen. Glas, Pflanzen, Erde, Licht – alles wirkt gleichzeitig durchdacht und lebendig.

Lale schaut zurück auf das Gebäude. „Ich finde, das Earthship ist der Beweis, dass eine andere Baukultur möglich ist“, sagt sie „gemeinschaftlich, regenerativ und getragen vom Miteinander.“

Sie bleibt noch einen Moment stehen. „Der Grundstein von WBZ wurde genau in so einem Bauprozess gelegt“, sagt sie dann. „Viele aus dem Gründungsteam haben sich auf einer Earthship-Baustelle bei Schloss Tempelhof kennengelernt.“ Sie lächelt. „Genau das ist die Kraft von regenerativem Bauen: Es entsteht nicht nur ein Gebäude. Im Prozess entstehen Beziehungen, Freude, Inspiration – und oft Dinge, die man vorher gar nicht planen konnte.“

Von hier aus seien mittlerweile zahlreiche Earthships in Europa mitgeplant, mitinspiriert oder durch Begegnungen angestoßen worden. „Das Earthship zieht bis heute Kreise“, sagt Lale.

Feenweg – Coliving und Gemeinschaft erleben im Tiny Ville

Am Feenweg ist über die Jahre eine Tiny-House-Siedlung entstanden, in der Gäste wohnen können. Die Häuser sind unterschiedlich gestaltet, mit viel Liebe zum Detail, eingebettet in Grünflächen, kleinen Wegen und gemeinschaftlich genutzten Bereichen.

Lale bleibt an einem Holzhaus mit Hängematte stehen, streicht kurz über die bemalte Holzfassade und deutet auf ein kleines Mosaik aus Fliesen und Glas, das im Licht glitzert. „Hier im Tiny Ville können Besucher unterschiedlichste Wohnformen, Materialien und Atmosphären ausprobieren, um herauszufinden, was zu ihnen passt.“

„Viele kommen aber auch gezielt zum Coliving“, erzählt Lale. „Um den Ort zu erleben. Um Teil der Gemeinschaft zu sein und ein paar Wochen oder Monate mitzugehen im Alltag hier und dabei eigene Vorhaben voranzubringen.“

Dabei hat sich rund um den Feenweg und die angrenzenden Bereiche etwas entwickelt, das auch wie ein Inkubator für regeneratives Wirtschaften funktioniert: ein Arbeitsort, Treffpunkt und Spielplatz für Menschen, die ökologische und soziale Unternehmungen aufbauen oder neue Ideen erproben. Hier entstehen Visionen, Prototypen und Kooperationen.

„Vor allem ist schön, dass die Gäste nicht als anonymer Durchlauf kommen“, sagt Lale. „Viele Besuchsanfragen entstehen über Beziehungen und Empfehlungen. Auch Veranstaltungen haben mit der Zeit ihren stimmigen Platz gefunden.“ Sie seien gut gewählt, passend zum Ort, und gut integriert in den Rhythmus des Ortes. „Der Sommer ist offen und belebt, der Winter ist intimer und ruhiger.“

Schwitzhüttenplatz und weiter zum ehemaligen Panama-Bereich

Als wir weitergehen, erzählt Lale von dem Schwitzhüttenplatz etwas abseits des Geländes. Er ist eingebunden in den Jahreszyklus des Ortes und wird bewusst geschützt gehalten – ein Raum für Stille, Übergänge und Verbundenheit mit der Natur.

„Das ist ein heiliger Space“, sagt sie. „Ein Platz für Rituale und tiefe innere Arbeit. Deshalb geht man da nicht einfach hin.“

Als wir weiterlaufen, kommen wir am Teich vorbei, dort wo früher das alte Brückenhaus stand. Lale bleibt kurz stehen und zeigt nach vorn. „Hier ist etwas richtig Schönes entstanden“, sagt sie.

Die Brücke wurde begradigt und neu aufgebaut. Man geht durch ein kleines Torhaus und von dort über eine Holzbrücke Richtung Tiny Ville. Geländer und Tragwerk sind aus Naturstämmen gebaut, warm in der Anmutung, stabil im Tritt. Das frühere Brückenhaus wurde dabei nicht nur saniert, sondern neu gedacht: Links und rechts sind zwei Schlafnester entstanden, schlicht, ruhig, mit weitem Blick auf den Teich.

In den Boden der Nester sind Glasluken eingelassen. Wer morgens aufwacht, kann direkt nach unten schauen – Fische, Amphibien, Wasserpflanzen, alles in Bewegung.

„Es gibt gerade jemanden, der bewusst Geld in solche Orte geben will“, sagt Lale. „Mit einer fairen Rendite über Vermietung – und gleichzeitig mit echtem Mehrwert für den Platz.“

„Am Abend wird dieser Ort richtig magisch“, sagt Lale. „Oft spielt hier jemand Handpan und dann hört man dazu die Frösche und im Sommer sieht man Glühwürmchen.“

Wir laufen weiter zum ehemaligen „Panama“-Bereich. Was früher eher provisorisch war, ist heute ein gut organisierter Werkstatt- und Lagerbereich geworden. Materialien sind sortiert, Werkzeuge gut sortiert und strukturiert. Hier wird repariert, recycelt, gebaut, gelagert, vorbereitet – ein Ort, der die Infrastruktur hält.

Mit dem Fahrrad durch Nieklitz

Neben der Werkstatt stehen Fahrräder bereit. Wir schwingen uns auf die Räder und fahren durch Nieklitz in Richtung der Werkhalle, die etwas außerhalb des Hauptgeländes liegt.

Der Weg führt an Feldern vorbei, an Häusern und an alten Eichen. Während wir fahren, erzählt Lale von der Rolle, die WBZ in den vergangenen 25 Jahren für die Region gespielt hat. „Ich sehe WBZ als so einen Ort, der die ganze Region heller macht“, sagt sie. WBZ sei zu einem Anziehungspunkt geworden für Menschen, die ihre Arbeit mit dem Wunsch verbinden, die Region lebendiger, resilienter und gemeinschaftlicher zu gestalten. Es entstanden neue Formen von lokaler Produktion, Kooperationen, und daraus ein tragfähiges Geflecht eines neuen Wirtschaftens und Zusammenlebens. „Viele hätten diesen Schritt ohne WBZ wahrscheinlich nicht gemacht“, sagt Lale. „Weil es einfach gut tut zu wissen: Da gibt es Menschen, die ähnliche Werte teilen. Da kann man andocken.“

In der Landespolitik wird der Ort als gelungenes ländliches Entwicklungsprojekt wahrgenommen, ein Vorzeigeort. „Skeptiker gibt es natürlich immer“, sagt Lale. „Aber durch viele offene Formate – Nachbarschaftsfeste, Pflanzentauschbörsen, Tage der offenen Tür – hat eine Entmystifizierung stattgefunden. Es gibt ein dichtes Netz an persönlichen Beziehungen zwischen Menschen von WBZ und Menschen aus der Region. Wir sind gut eingewoben in das soziale Ökosystem der Region.“

Werkhalle

Wir erreichen die Werkhalle, wo seit 20 Jahren Tinyhäuser gebaut werden. Zudem arbeitet hier das TerraSol Baukollektiv – ein Zusammenschluss von Planerinnen und Handwerkern, die Earthships, naturbasierte Gebäude und ganze Siedlungen in Deutschland realisieren. „Die Werkhalle ist ein richtiger Hub für regeneratives Bauen“, sagt Lale, während wir näherkommen. Rundherum ist es überraschend grün: kleine Gärten, Sitzecken, Schattenplätze.

Lale zeigt nach rechts, wo gerade ein paar Leute an einem Tisch mit Kuchen und Kaffee stehen. „Da drüben ist Knirps & Knolle“, sagt sie. Das Kita-Catering beliefert seit Jahren über tausend Kinder in der Region mit Bio-Essen und macht zusammen mit den Kitas Bildungsprojekte rund um Ernährung.

Heute ist Tag der offenen Tür. Eltern mit Kindern und ein paar Kita-Mitarbeitende sind zu Besuch und wuseln über das Gelände.

„Knirps & Knolle hat so einen schönen Impact entfaltet“, sagt Lale. „Es fühlt sich richtig gut an, dass sie hier ihren Platz gefunden haben. Ein Vorzeige-Sozialunternehmen auf das wir alle hier richtig stolz sind.“

Aurèle Haupt, Chef von Hauptsache Tiny kommt uns aus der Werkhalle entgegen, klopft sich Staub von den Händen und grinst uns fröhlich an. „Na, bewundert ihr die Werkhalle?“

Er führt uns in sein Reich. In der Halle riecht es nach frischem Holz. „Hier entstehen Einzelstücke und Prototypen, die neue Maßstäbe für regeneratives Bauen setzen – Wohnformen, die den Menschen wieder als Teil der Natur begreifen. Gebaut aus regionalem Holz, in Zusammenarbeit mit Förstern und einem lokalen Sägewerk, eingebunden in Waldkonzepte, bei denen für jeden gefällten Baum ein neuer wächst.“

Er zeigt uns ein paar Skizzen und Holzmodelle. „Altes Handwerk verbindet sich hier mit digitaler Präzision. In der Planung entstehen detailgenaue 3D-Modelle“, sagt Aurèle begeistert. „Die Häuser sind standardmäßig energie- und wasserautark, in natürliche Stoffkreisläufe eingebunden und regenerativ konzipiert. Große Panoramafenster holen die Landschaft ins Innere, natürliche Materialien beruhigen das Nervensystem, integrierte Nistplätze und begrünte Fassaden erweitern die Architektur in den Lebensraum anderer Arten. Wer eintritt, spürt Weite, Licht und eine stille Ordnung, die den Körper zur Ruhe bringt.“

Die Werkhalle ist das Herzstück eines Netzwerks aus Partnerstandorten: ein Ort für Experimente, Prototypen und Einzelstücke. Eine Schmiede für eine Baukultur, die Hightech und Handwerk verbindet und sich selbstverständlich in natürliche Zusammenhänge einfügt.

Hinter der Werkhalle biegen wir auf einen schmalen Weg ein. Der Kies knirscht unter den Schuhen, rechts summen Insekten über einem Streifen blühender Kräuter, links stehen Gemüsereihen in sattem Grün.

„Hier hat sich in den letzten Jahren nochmal richtig viel entwickelt“, sagt Lale. „Unser Food Hub. Hier ist ein kleines Ökosystem rund um Ernährung, Pflanzenwissen und regionale Versorgung entstanden.“

Lale deutet auf das Gelände: „Hier erstrecken sich ein Gemeinschaftsgarten und die Felder der Solidarischen Landwirtschaft. „Viele holen nicht nur ab“, sagt Lale, „sie ernten selbst. Und mit der Zeit kennen sie ihre Beete, ihre Sorten, die Rhythmen der Saison.“

Daneben liegt ein weitläufiger Heil- und Küchenkräutergarten. Die Luft verändert sich sofort: Minze, Thymian, Salbei, irgendwo Zitronenverbene. Zwischen den Beeten stehen Bänke im Schatten, eine kleine Teestation mit Wasserkocher und Tassen in allen Farben. Lale lacht: „Manche nennen es inzwischen halb scherzhaft den „Kräutergarten für Mecklenburg-Vorpommern“.

In der Mitte des Geländes steht ein kleines geheimnisvolles Häuschen, aus dessen Zentrum ein großer Baum durch das Dach nach oben wächst.

Vor dem Haus liegt ein großes Pflanzenmandala im Yin-Yang-Motiv. Wir treffen Amelie Salameh vor dem Haus – sie bastelt an ein paar Details. „Es symbolisiert die gute Balance aus Aktivität und Ruhe und verändert sich ständig“, sagt Amelie. „Wie der Ort selbst. Wie Sommer und Winter – alle Phasen haben hier ihren Platz“

Sie erklärt uns, dass das Haus hier etwas ganz Besonderes ist und darin die Heilkraft der Pflanzen erlebbar ist. Wer eintritt, tritt in eine magische Welt. Genaueres möchte sie nicht erzählen – zu Magie gehört immer auch ein Stück Geheimnis.

Auf dem Weg zurück zum Waldweg zeigt uns Amelie noch einen offenen Selbstbedienungsladen. Holzbretter voller Gläser und Flaschen: Pestos, Marmeladen, fermentiertes Gemüse, Kimchi, Kräutersalze, Teemischungen, zyklusgerechte Snacks.

„Alles ist von hier und unseren Mitgliedern“, sagt Amelie und nimmt ein Marmeladenglas in die Hand. „Über die Jahre ist das hier ein richtiger Food-Hub für die Region geworden. Gemüse, Kräuter und verarbeitete Produkte zirkulieren zwischen SoLaWi, Werkhalle, Küche, regionalen Betrieben und Haushalten. Überschüsse werden haltbar gemacht oder weitergegeben, Wissen wandert genauso wie Lebensmittel.“

Wir bleiben noch einen Moment stehen. Mein Magen knurrt lautstark und Lale schlägt vor, noch einen Abstecher zum Bäcker in Gallin zu machen. Während wir weiterradeln, kommt sie auf die vergangenen Jahre zu sprechen.

„Wenn ich zurückblicke, merke ich vor allem eines“, sagt sie. „Wie sehr alles seine Zeit gebraucht hat.“

Es habe viele Phasen gegeben, die sich damals chaotisch oder falsch angefühlt hätten. Umwege, Konflikte, Unsicherheiten. „Das war alles genau der richtige Weg. Es ist genau so passiert, wie es sein konnte und musste, damit wir heute hier sein können“, sagt sie ruhig. „Alles geschieht genau zu seiner richtigen Zeit.“

Dieses Vertrauen trage sie heute auch in aktuelle Prozesse hinein. „Wenn es irgendwo stockt, weiß ich inzwischen: Das gehört dazu. Das formt etwas Neues.“

Ankommen in Gallin – Ausklang in der Bäckerei

Wir erreichen Gallin und stellen die Fahrräder vor der Bäckerei ab. Drinnen ist es warm, es riecht nach frischem Brot und Gebäck. Ein paar Handwerker stehen an der Theke, jemand grüßt Lale beim Reingehen. „Klassisch, ländlich, geerdet“, beschreibt sie den Ort liebevoll.

Guido, der Bäcker, nickt uns zu. Er kennt die Leute und ihre Geschichten und ist so etwas wie ein Netzwerk-Knoten. WBZ bekommt regelmäßig Brot geliefert. Flyer liegen aus. Und wenn WBZ mal ein Gesuch hat, findet sich häufig ein Kontakt über Guido.

Ich spüre, wie sich in der Bäckerei auf eine Weise die beiden Welten verbinden: WBZ als „andere Frequenz“ – Gallin als Erdung – und dazwischen ein Weg, den man immer wieder fährt.

Wir holen Kaffee. Setzen uns ans Fenster. Draußen fährt jemand mit einem Transporter vorbei, irgendwo klappert eine Tür. Lale lehnt sich zurück, wirkt zufrieden, ruhig, verbunden. Es braucht keine großen Worte mehr.

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