„Heilen statt Hektik – ein Gesundheitsmodell der Zukunft“ – Silke Grimm (2045)

Silke Grimm (2045)
Silke Grimm ist Initiatorin des Projektes "HeilOrt" Bad Belzig - ein Ort der Heilung und eines menschlichen Miteinanders, von der Geburt bis zum Sterben. Sie ist Dipl. Ing. Landschaftsplanung, betreibt Projektmanagement im Bildungsbereich (BNE) und ist ausgebildete Trauerbegleiterin. Sie lebt seit vielen Jahren in der ZEGG-Gemeinschaft in Bad Belzig.

Von hier oben, auf der Wiese, überblickt man den gesamten HeilOrt – ein 8 Hektar großes Areal zwischen Wald und dem brandenburgischen Kurort Bad Belzig, wo eine kleine Gesundheits- und Pflege-Revolution stattgefunden hat. Durch die knospenden Bäume hindurch erkenne ich die grün bewachsene Fassade des Geburtshauses und der Palliativ-WG. Beides liegt hier sehr dicht beieinander. Die etwas niedrigeren Praxen sind aber versteckt – mit ihren Holzfassaden und großen Fenstern blenden sie in die Natur ein.

»Ich mag diesen Ort sehr«, sagt Grimm. Schon früher ist sie gerne hergekommen, um sich mit der Natur zu verbinden. Darum hat Grimm mit der Genossenschaft das Meditationshaus auf die Anhöhe am Stadtrand gebaut. Jede:r mit Sehnsucht nach Ruhe ist hier willkommen.

Und davon gibt es viele. Bad Belzig ist zu einem der meistbesuchten Kurorte und Ziele für Gesundheitstourismus in Deutschland geworden. Hier ist entstanden, was noch vor 20 Jahren niemand für möglich gehalten hätte. Was das Projekt so besonders macht, erzählt mir Grimm auf der Bank auf der Anhöhe.

Wie alles begann: Pflegenotstand, Ärztemangel, Überforderung

Dass sich  eine große Versorgungslücke im Sozialstaat anbahnt, war lange klar. Die letzten Babyboomer-Jahrgänge gingen Mitte der 2030er-Jahre in Rente, doch wegen der geringen Zuwanderung und Geburtenrate traten nur vergleichsweise wenige Menschen auf den Arbeitsmarkt ein.

Rein rechnerisch hätte jede erwerbstätige Person fast eine andere Person – egal, ob Kind oder eine ältere Person – finanziell und pflegerisch mitversorgen müssen, erklärt Grimm. Sie ist auch eine »Boomerin«, wie sie lachend sagt. Dann wird sie ernster: »Deswegen sah ich es auch in meiner Verantwortung, Lösungen zu finden.«

Damals lebte Grimm noch im Zentrum für Experimentelle Gesellschaftsgestaltung (ZEGG), direkt im Wald nebenan. Bis 2016 war sie Geschäftsführerin des Bildungsbetriebes. Ein Nachbar fragte sie, ob sie Interesse an dem angrenzenden Ackerland hätte – eben jenes zwischen Wald und Stadt, auf dem der HeilOrt sich heute befindet. Zum »normalen« Ackerpreis wollte der Nachbar es allerdings nicht verkaufen, da es im Flächennutzungsplan bereits als Sonderbaufläche für eine medizinische Einrichtung ausgewiesen war.

Interessiert, doch noch ratlos, wollte Grimm fast absagen – bis eine Bekannte nebenbei bemerkte: »Na, da baust du unser Gesundheitszentrum hin.« Das ist hängengeblieben, erzählt sie. »Denn gesellschaftlich standen wir nun mal vor großen Herausforderungen.«

Gut in der Region vernetzt, beriet sich Grimm mit einigen Ärzt:innen und Fachmediziner:innen. Sie waren sich in vielem einig:

  • Gesundheit und Pflege im Minutentakt anzurechnen, ist nicht zukunftsfähig. Ein System, das Menschen auf Kostenstellen und Diagnosecodes reduziert, verkennt das Wesentliche: Gesundheit ist kein abrechenbares Produkt, sondern ein prozesshaftes Geschehen. Das braucht Zeit, Zuwendung und Vertrauen.}
  • Es geht nicht nur um Symptome, sondern um ein gesundes Leben. Statt kurzfristiger Symptombehandlung muss ein zukunftsfähiges Gesundheits- und Pflegesystem Menschen befähigen, ihre Gesundheit langfristig zu stärken – durch Prävention, Aufklärung und die Förderung von Eigenverantwortung in einem unterstützenden Umfeld.
  • Gesundheit entsteht im Zusammenspiel von Körper, Geist, Seele und Lebenswelt. Und wird geprägt von äußeren Strukturen, sozialen Bindungen, kulturellen Werten und individueller Sinnsuche. Medizin, die diese mehrdimensionalen Zusammenhänge ignoriert, behandelt nur die Spitze des Eisbergs und dringt nicht zur Wurzel vor.

Es entstand die Idee eines Heil- und Gesundheitsortes mit Mehrgenerationenwohnhaus. Dort sollten alte und kranke Menschen nicht abgeschoben werden, sondern Begleitung, Pflege, Heilung, Sinn und Gemeinschaft finden – das, was ihnen wirklich hilft. „Kinder in den Kindergarten, Kranke ins Krankenhaus, Alte ins Altenheim … diese Fragmentierung der Gesellschaft ist Teil des Problems, weshalb sich so viele Menschen einsam fühlen und psychische Probleme entwickeln. Wir zeigen, dass es anders geht“, sagt Silke Grimm.

Die Grundlage der Genesung

Ich will mehr von diesem HeilOrt sehen, um ihn besser zu verstehen. Wir verlassen die Anhöhe und laufen an kleinen Tümpeln, Birken und Kirschbäumen vorbei, zwischen denen sich kleine Tiny Houses und Rundzelte verstecken, hinunter zum Hauptweg.

Wofür die Häuser sind, frage ich.

Grimm erklärt, sie seien ein Rückzugsort für Menschen, die zu sich finden, meditieren oder an Yoga- und Meditationskursen teilnehmen wollen, die hier angeboten werden. Viele der Gäste würden während ihres Aufenthalts ehrenamtlich eines der vielen Projekte des HeilOrtes unterstützen.

Wir schwenken auf den Hauptweg des HeilOrtes ein. Hier werden Hunde Gassi geführt, Kinder fahren auf Dreirädern, ein älterer Herr hilft einem Mädchen, einen Stock für ihren Unterschlupf zu suchen. Ein kleiner Wasserlauf begleitet den Hauptweg, der an allen Einrichtungen vorbeiführt: Lebenshaus, Waldkindergarten, Arztpraxen, ambulante Pflegedienste, Bio-Restaurant, Schwimmteich, Spielplatz, Outdoor-Sportbereich und Mehrgenerationenwohnhäuser.

Wohin ich auch blicke, überall sehe ich natürliche Orte mit Sinn: ein Duftgarten mit Kräutern und Blumen, ein Brunnen mit Skulpturen, ein Tümpel mit Bänken zum Verweilen. Der Weg ist breit und eben, sodass jeder Ort mit Rollstühlen oder Gehhilfen erreichbar ist. „Die Natur ist eine wunderbare Heilerin. Ohne eine heile Natur kann auch der Mensch nicht heil sein. Wir brauchen sauberes Wasser, saubere Luft und gesundes Essen, um gesund zu werden“, sagt Silke Grimm.  »Auf dem Gelände selbst und in Kooperation mit Bio-Bauern aus der Region erzeugen und verarbeiten wir gesunde Lebensmittel – nicht nur für uns und unsere Gäste, sondern für viele Haushalte, die sich zu einer Solidarischen Landwirtschaft zusammengeschlossen haben.«

Auch in der Architektur unserer Gebäude spiegelt sich der Natur-Ansatz wider. Mit einer Architektin aus der Region, die sich auf heilsame Architektur spezialisiert hat, sowie einem Architekten, dessen Augenmerk auf regeneratives und biophiles (von der Natur inspiriertes) Bauen lag, haben wir mit den zukünftigen Nutzer:innen der jeweiligen Gebäude gemeinsam die Innen- und Außengestaltung geplant und umgesetzt. Was hier entstanden ist, ist ein Gesamtkunstwerk, in dem Draußen und Drinnen ineinander übergehen, in dem wir die Natur auch in die Innenräume gebracht haben. Licht, natürliche Materialien, ruhige Rückzugsorte, Gemeinschaftsräume und viel Natur helfen dem Nervensystem und schaffen ein Gefühl von Sicherheit und Verbundenheit. Der Raum selbst unterstützt die Menschen darin, wieder besser zu sich selbst und zueinander zu finden und zu gesunden.

Was bitte ist ein »Lebenshaus«?

Wir bleiben vor dem »Lebenshaus« stehen – ein von Licht durchströmter Ort mit Glasfronten, Mooswänden und Dachbegrünung. Es ist das Herzstück des HeilOrtes: Eine Seite beherbergt ein Geburtshaus für Schwangere und Familien, die andere eine Palliativ-WG für Menschen mit lebensverkürzenden Erkrankungen. »Wir haben bewusst das Kommen ins und das Gehen aus dem Leben in einem Gebäude zusammengelegt«, erklärt Grimm. »Es sind die beiden großen Übergänge – hier können beide Seiten nah beieinander sein, Trost und Sinn spenden – auch voneinander lernen.«

Die Pflege wird von den Bewohner:innen, ihren An- und Zugehörigen oder gesetzlichen Vertreter:innen und vielen Ehrenamtlichen organisiert. Dort, wo professionelle Unterstützung benötigt wird, steht der ambulante Pflegedienst rund um die Uhr zur Seite.[1]

In der Mitte des Lebenshauses ist ein großer, offener Gemeinschaftsraum, der beide Seiten verbindet. In ihm befinden sich eine Küchenzeile, Gruppentische und Sofas. In Regalen an den Wänden liegen Bücher, Instrumente, Kinder- und Gesellschaftsspiele. Wir treten ein und setzen uns auf einen grünen Zweisitzer, um auf einen Bekannten von Grimm zu warten.

Grimm erzählt, dass Geburt und Tod manchmal leider auch gar nicht so weit auseinanderliegen. Inzwischen würden viele Eltern herkommen, die ihr Kind vor oder nach der Geburt verloren haben oder wissen, dass es nicht lange leben wird. »Wir geben ihnen einen geschützten Raum, an dem sie mit all ihren Gefühlen willkommen sind – mit professioneller Begleitung, Ritualen und Räumen für Abschied und Trauer.«

Grimm selbst hat lange als Sterbe- und Trauerbegleiterin gewirkt. Heute macht es ihr Freude, Menschen im Lebenshaus miteinander zu vernetzen. Gerade für ältere Menschen sei es wichtig, dass sie sinnstiftend wirksam sein und Teil einer Gemeinschaft bleiben können. Das sei laut Grimm sogar viel wichtiger, als einfach nur körperlich »gesund« zu sein.

Gesundheit ist mehr

»Wenn Menschen unterschiedlichen Alters bewusst zusammenleben, entsteht ein gemeinschaftliches Umfeld, das die Rückverbindung zum eigenen inneren Kern und einem sinnhaften Beitrag unterstützt«, sagt Holger Bringmann. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie kommt mit leichten Schritten auf Grimm zu. Auf ihn haben wir gewartet. Die beiden begrüßen sich herzlich.

»Kinder bringen Lebendigkeit und Offenheit, Erwachsene geben Struktur und Fürsorge, ältere Menschen schenken Erfahrung und Ruhe. Dieses Miteinander stärkt soziale Beziehungen, verhindert Einsamkeit und gibt dem Alltag mehr Sinn. Doch ich wollte eure Unterhaltung nicht unterbrechen«, sagt Bringmann und gesellt sich zu uns.

Grimm erklärt, dass Holger Bringmann eine psychiatrische Klinik in der Umgebung leitet, viel zu »Mind-Body-Medizin« im therapeutischen Kontext forscht und seit einigen Jahren eng mit dem HeilOrt zusammenarbeitet. Mein fragender Blick verrät wohl, dass ich mir nichts unter »Mind-Body-Medizin« vorstellen kann.

Bringmann führt das Konzept aus:

  • Westliche Schulmedizin hat einen einseitigen Blick: Sie betrachtet und behandelt den Menschen  wie einen biologischen Organismus oder ein psychologisches Funktionssystem. Aber der Mensch sei mehr als sein Körper und seine Psyche. »Der Mensch ist ein Lebewesen mit Bewusstsein. Er fühlt und denkt, lebt in Beziehungen, Familien, Gesellschaften, sammelt Erfahrungen und ist spirituell«, sagt der Psychiater.
  • Einklang statt Funktionalität: Ein Mensch sei nicht gesund, wenn er wieder »funktioniert«, sondern wenn sein Denken, Fühlen, Körpererleben und Handeln im Einklang miteinander stehen. »Gesundheit ist nicht nur eine Frage von Blutwerten«, sagt Bringmann. Gesundheit entstehe dann, wenn ein Mensch den Kontakt zu seinem inneren, geistigen Kern nicht verliere. Wenn dieser Kern bewusst wahrgenommen und gestärkt werde, kann er das Leben sinnvoll leiten – Orientierung geben.

Am Anfang des Jahrtausends wurde offensichtlich, dass viele Menschen den Kontakt zu diesem Kern verloren hatten, so Bringmann. Leistungsdruck, Stress und äußere Erwartungen bestimmten oft den Alltag. Das führte zu Krankheit, Erschöpfung, Burnout und Einsamkeit. Die Mind-Body-Medizin habe genau dort angesetzt, indem sie alle Ebenen eines Menschen betrachtete – nämlich die körperliche, geistige, seelische und spirituelle, ebenso wie die oft krankmachenden Strukturen, in denen der Mensch lebt.

„Als wir 2026 das Gesundheitskonzept für den HeilOrt entwickelten, bestätigte die damals moderne Forschung zu Stress, Nervensystem, Gehirnveränderbarkeit und Bindung, dass die innere Ausrichtung entscheidend für körperliche und seelische Gesundheit ist“, sagt Holger Bringmann.

Am Tisch auf der anderen Seite des Raums lacht jemand, eine ältere Frau, die dort mit einer Jugendlichen sitzt. Eine Pflegerin bringt einer älteren Frau einen Tee, setzt sich dazu, statt ihn einfach abzustellen. Bringmann beobachtet das aufmerksam. »Gesundheits- und Pflegearbeit ist hier kein Job, bei dem man Aufgaben technisch abarbeitet. Sie ist vor allem Beziehungsarbeit. Pflegen bedeutet: aufmerksam begleiten.«

Die Pflege solle Bedingungen schaffen, in denen der innerste Kern der Menschen respektiert und angesprochen wird. Etwa durch achtsame Zuwendung, stabile Beziehungen, klare Tagesrhythmen, Stille, Naturerlebnisse sowie einfache Atem- und Achtsamkeitsübungen. »All das stärkt die Fähigkeit zur Selbstregulation und gibt Sicherheit und Würde – so wie es hier am HeilOrt gelebt wird.«

Für die Menschen, die den HeilOrt aufbauen, ist Spiritualität eine große Kraftquelle. Sie wird nicht als Rückzug aus der Welt verstanden, sondern als eine Haltung im Alltag. »Sie zeigt sich darin, dass wir üben, präsent zu sein, Mitgefühl entwickeln, Verantwortung übernehmen und unser Handeln aus einer tieferen inneren Orientierung gestalten«, sagt Holger Bringmann. Diese Art von Spiritualität würde gut zu einer wissenschaftlich fundierten Gesundheitsversorgung passen, da sie Stress reduziert, Resilienz stärkt und Heilungsprozesse unterstützt.

So finanziert sich der HeilOrt

Doch was genau erwartet mich nun als Patientin, wenn ich zum Beispiel einen der Allgemeinmediziner am HeilOrt wegen Schlafproblemen aufsuche?

Zuerst würdest du dich mit unserem Empfang in Kontakt setzen, erklärt Grimm. »Hier werden deine Beschwerden aufgenommen und du bekommst einen ersten Beratungstermin mit einem unserer Ärzt:innen oder Therapeut:innen.« Die Wartezeiten für ein Erstgespräch seien je nach Schwere und Dringlichkeit des Problems mal länger und mal kürzer.

»Je nach Sachlage besprichst du deine Anliegen mit einer oder einem Team von Ärzt:innen und Therapeut:innen. Dieses stellt dir alle Möglichkeiten vor, die sie dir anbieten können und angemessen finden«, sagt sie. Das könnten verschiedene therapeutische Angebote, medikamentöse Erleichterung oder eine Überweisung zu Spezialist:innen außerhalb des HeilOrtes sein. Aber auch eine Ernährungsumstellung inklusive Kochgruppen, Selbsthilfegruppen bis hin zu einer langfristigen Online- oder Vor-Ort-Begleitung sind möglich. »Wenn du bei uns bleiben kannst und magst, setzen sich unsere Ärzt:innen und Therapeut:innen zusammen und machen eine Anamnese«, so die Mitgründerin des HeilOrtes. Dabei würden sie auf alle Ebenen schauen – körperlich, psychisch, sozial, strukturell und spirituell – und einen entsprechenden Gesundheitsplan erarbeiten.

»Und wer finanziert das alles?«, wundere ich mich. Darüber hatten sie lange zu grübeln gehabt, sagt Grimm. Die ersten Jahre wären sehr hart gewesen. Die Vereins- und Genossenschaftsmitglieder hätten jahrelang viel Crowdfunding betrieben, Eigenleistung und Eigenkapital investiert, bis die ersten Gebäude standen. Die ersten Ärzt:innen und Therapeut:innen hätten teilweise für sehr wenig Bezahlung gearbeitet, damit die Behandlungen erschwinglich blieben. Doch als alles ins Laufen kam, habe sich das Problem von selbst gelöst.

»Inzwischen haben wir ein ausgeklügeltes Konzept: Die Krankenkassen übernehmen einige der Behandlungen ganz oder teilweise«, erklärt Grimm. Sie seien zuerst skeptisch gewesen, weil viele der Behandlungspläne ihnen zu lange vorkamen. Doch die Erfolgsquote, unterstützt von der wissenschaftlichen Evidenz, die sich immer weiter häuft, hat sie letztlich überzeugt.

Trotzdem werden viele Behandlungen nicht von den Kassen finanziert. Doch auch hier gäbe es Hilfe. Patient:innen vor Ort haben die Möglichkeit, Mitglied des HeilOrt-Gesundheitsvereins zu werden. Mit den Mitgliedsbeiträgen werden Patient:innen solidarisch und gemeinschaftlich unterstützt. Auch gäbe es einige privat organisierte Geldtöpfe, auf die sich Menschen bewerben können. Sie wurden meist von älteren Menschen gespendet, die ihr Eigenheim verkauft, der Genossenschaft beigetreten und an den HeilOrt gezogen sind oder die den Verein in ihrem Testament bedacht haben.

»Außerdem testen wir momentan 2 weitere Finanzierungsmodelle«, sagt Grimm. So können Menschen aus der Region freiwillig über den gesetzlichen Beitrag der Krankenkassen hinaus Gesundheitsgeld an den HeilOrt-Gesundheitsverein zahlen. Dieses Geld wird dafür genutzt, um Allgemeinmediziner:innen und Fachärztinnen des HeilOrtes privat zu bezahlen – ähnlich dem Prinzip einer solidarischen Landwirtschaft. »Dadurch konnten wir schon 6 Menschen anstellen, die auch mit etwas weniger Geld zufrieden sind, dafür aber freie Hand in ihrer Berufsausübung haben.«

Ein Pilotprojekt in die Zukunft

Der HeilOrt betreibt 2045 Pionierarbeit und viele andere Orte in Deutschland und außerhalb schauen genau hin. Neue Ideen und Ansätze gibt es hier genug.

»In der Pflege experimentieren wir gerade mit einem Zeitkontosystem«, sagt Grimm. Anstelle von Geld wird hier mit Zeit gehandelt. Grimm gibt ein Beispiel: Angehörige von ihren Freund:innen in Halle würden sich vor Ort ehrenamtlich engagieren. Zum Beispiel Zeit mit älteren Menschen verbringen und für sie sorgen. Damit sammeln sie Zeitkontopunkte, die sie etwa einlösen können, damit jemand sich hier am HeilOrt ehrenamtlich um ihre Angehörigen oder auch später um sie kümmert.

Das System würde gerade jetzt so gut in der Pflege aufgehen, da immer mehr Menschen gezwungenermaßen durch den demografischen Wandel lokale Netzwerke wiederentdecken. Auch die Arbeits- und Gesellschaftsstrukturen sind dabei, sich anzupassen, obwohl dies noch ein langer Weg ist.

»Wir wollen Menschen ermächtigen, ihr Leben so eigenständig wie möglich zu führen und sich und andere zu unterstützen«, sagt Grimm.


Dieses Zukunftsinterview ist in Kooperation mit Perspective Daily entstanden. Wir danken für die fruchtbare Zusammenarbeit!

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Bildcredits: HeilOrt Bad Belzig

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